Fähraufreger

Die Fähre befördert seit dem 25. März nur noch Jahres- und Monatskarteninhaber und fährt Sonn- und Feiertags gar nicht. Darüber regen sich viele auf. Zu Recht finde ich. Warum zwischen Kunde im Auto oder Radfahrer/Fußgänger und Mitarbeiter keine andere Schutzmaßnahme als null Kontakt möglich sein soll, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Und ist Sonn- und Feiertags die Ansteckungsgefahr noch größer?

Die Kollerfähre löst das Problem ganz anders.

Das hätte unserer Fähre auch gut zu Gesicht gestanden, nachdem man sich in den letzten Monaten wegen mangelnden Umsatzes ja wohl kaum beschweren konnte.

Anfangen wo es anfängt

Es ist Frühling, mondlose Nacht in der kleinen Stadt, sternlos und bibelschwarz, die Kopfsteinpflasterstraßen still, und der geduckte Liebespärchen- und Kaninchenwald humpelt unsichtbar hinab zur schlehenschwarzen, zähen, schwarzen, krähenschwarzen, fischerbootschaukenlnden See…
(beloved D. Thomas)

ÖPNV-Verhinderungsstrategie

Fußgäste der Linie 98 auf dem Weg zur zukünftigen Haltestelle am Kreisel. Ja ok, gelogen: es können jeweils nur 8.

Die neuste ÖPNV-Verhinderungsstrategie bzgl. unserer Busverbindung Linie 98 über die Fähre nach Mannheim ist die Idee, die Linie auch nachmittags in der Rush-Hour zu unterbrechen und die Fahrgäste wie bereits morgens zwischen 7 und 8 wieder laufen zu lassen (das ist ja so gesund). Aber damit es sich auch lohnt, soll die Bushaltestelle auf der Mannheimer Seite nach oben an den Kreisel verlegt werden, womit der Fußmarsch der Fahrgäste auf ca. 400 Meter hochgejazzt wird. Da kommt Freude auf. Bei Wind und Wetter zu Fuß nicht nur den Fähranleger sondern auf der Mannheimer Seite auch noch bis zum Kreisel hochzulaufen. Tja, survival of the fittest… Kleiner Nebeneffekt: die Verbindung, die eigentlich attraktive 10-15 Minuten dauert von Altrip nach Mannheim Neckarau, dauert dann mindestens doppelt so lange und ist somit so attraktiv wie eine Eselskarre. Mit solch einer ÖPNV-Verbindung lockt man keinen Pendler hinter dem Lenkrad vor.

Ja ja ich weiß, dass das Büslein seit dem Brückenfiasko nachmittags oft nicht fahrplangerecht fahren kann, weil es sich auf der Mannheimer Seite bis in den Kreisel staut und man nach Jahren plötzlich festgestellt hat, dass das Überholen auf der Gegenfahrbahn ja verkehrswidrig und gefährlich ist. Aber die Lösung ist doch nicht, die Fahrgäste am Kreisel rauszuschmeißen, sondern die Lösung ist, eine Busspur mit Ampelschaltung einzurichten, damit das Büslein nach dem Kreisel Vorfahrt bis zur Fähre hat. Man würde somit die bisher gemeingefährliche Praxis (auf der Gegenfahrbahn zu überholen) legalisieren und verkehrssicher machen.

Apropo Büslein: wenn Kreis und Gemeinde bei diesem zusätzlichen Verkehrsaufkommen an der Fähre immer noch keinen größeren Bus als einen 8-Sitzer für nötig halten und lieber den 8-Sitzer 6x in der Stunde samt Fußmarsch für die Fahrgäste fahren lassen, statt einen barrierefreien 26-Sitzer alle 20 oder 30 Minuten ohne Fußmarsch durchpendeln zu lassen, dann ist es nun wirklich Zeit für einen Orden: Der Orden für die barrierenreichste Verbindung Deutschlands!

Ganzer S-Bahnanschluss in Rheingönheim

Und dann geht es plötzlich ganz schnell. Es muss „nur“ gar nix mehr gehen und schwups bekommen wir in Rheingönheim einen ganzen S-Bahnanschluss. Ich bin begeistert.

Foto: pixabay

Liebe Planer, jetzt noch ein kleines bisschen weiter machen und auch den Takt des Zubringers 570 anpassen und dann sind wir dank der katastrophalen Zustände in LU da, wo wir schon seit 10 Jahren sein sollten – ÖPNV-mäßig für Altrip.

Desweiteren, ich weiß ich wiederhole mich, ist es sinnvoll den ÖPNV über die Fähre auszubauen. So wie früher: da fuhr ein großer Bus über die Fähre bis an den Mannheimer Hauptbahnhof. Auch wenn die Fährgesellschaft daran wohl kein Interesse hat, da sie das Geschäft ihres Lebens macht mit den zahlreichen neuen Autokunden. Für die Nutzer aber werden die Wartezeiten an der Fähre weit über die übliche Rush Hour hinaus immer länger und alles immer nerviger. Unsere Rheinquerung muss endlich für den ÖPNV genutzt werden.

Aber schauen wir einfach mal weiter, was uns LU noch alles beschert.

LU macht dicht

Seit Freitag kann man auch nicht mehr unter der Hochstraße Süd durchfahren. Keine Autos, keine Straßenbahnen, Busse, Fahrräder, Fußgänger. Nix. Man hat berechtigte Sorge, dass die Hochstraße nicht mal ihr eigenes Gewicht tragen kann d.h. sie ist massiv einsturzgefährdet. Das ist der nächste Schritt im hausgemachten Verkehrschaos von Amts wegen.

SWR-Bericht

Keine Straßenbahn mehr über die Konrad-Adenauer-Brücke heißt für die eh schon abgehängten Altriper: jetzt geht auch nix mehr mit der Linie 6/6a. Wie gut, dass wir nur einen halben S-Bahnanschluss haben. Und eine Busverbindung über die Fähre nach Mannheim haben wir ja auch. Mit ganzen 8 Plätzen, meistens alle Stunde. Abends und am Wochenende nie. Also wenn jetzt nichts daran geändert wird, dann weiß ich ja auch nicht …
Dass die Grünen seit Jahren einen größeren Bus über die Fähre fordern ist angesichts der aktuellen Lage geradezu als visionär anzusehen.

Ein großer gut getakteter Bus über die Fähre nach Mannheim tut Not. Denn ….pssst nicht verraten … wir Altriper haben eine eigene in der Regel gut funktionierende Rheinquerung via Fähre, die für Autos zunehmend an ihre Grenzen kommt, aber was den ÖPNV betrifft ist da noch viiiiel Luft nach oben.

Vielleicht einfach mal in den ÖPNV investieren?!?

In dieser Woche stand in der Rheinpfalz unter der Überschrift „Vielleicht doch eine Seilbahn?“ zu lesen: „Was kann die Stadt tun, damit die Pendler und die Wirtschaft trotz des maroden Hochstraßennetzes nicht zu sehr unter Staus und Verkehrsbehinderungen leiden? Diese Frage treibt die Kommunalpolitiker um.“
So viele Verkehrsplaner und Experten befassen sich seit Jahren mit dem Thema und nichts passiert außer dass der ungeregelte Verkehrsgau immer näher rückt.

Die Antwort auf die brennende Frage, was man tun kann, ist ganz einfach:
Endlich in den Ausbau des ÖPNV auf dem Land investieren.
Das ist schlau, kurzfristiger machbar als alle Brücken-, Tunnel- und Seilbahnpläne und klimafreundlich und die Menschen wollen das.
Sie wollen einen ernst gemeinten, hochgradig attraktiven Öffentlichen Nahverkehr auf dem Land. Denn die Stadt ist eigentlich nicht das Problem, sondern das Land. Pendler kommen zu Hauf vom Land(kreis) in die Städte zur Arbeit. Pendler aus dem Rhein-Pfalz-Kreis verstopfen die Brücken zwischen LU und MA, weil das ÖPNV-Angebot außerhalb der Städte ein Trauerspiel ist. Sie würden gerne täglich in den Bus und die Bahn steigen, um stressfrei und umweltfreundlich an ihren Arbeitsplatz zu kommen. Aber man denkt lieber über eine 70 Mio schwere Seilbahn nach als einfach ENDLICH das zu tun, was getan werden muss: attraktiver Nahverkehr auch fürs Land.

Der Pendleratlas müsste den Verantwortlichen ja bekannt sein. Rund 15.000 Pendler aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, Bad Dürkheim, Frankenthal müssen über den Rhein nach Mannheim zur Arbeit. Plus rund 14.000 aus LU. Für die wäre eine Fahrradbrücke auch sehr sinnvoll.

Halber S-Bahnanschluss

Ja, ich weiß, ich nerve. Aber hier noch ein Live-Bericht zu unserem hochgradig unattraktiven S-Bahnanschluss in Rheingönheim:
Gestern habe ich das Auto am S-Bahnhof Rheingönheim abgestellt – wohlwissend, dass ich abends stdl. auf den Bus warten müsste. Abends dann von Frankfurt kommend (Performance der Bahn war mit Zugausfällen und fetten Verspätungen auch mehr als bescheiden) musste ich ab Mannheim mit der S-Bahn erst mal bis Limburgerhof fahren, dort dann 13 Minuten im Regen auf die S-Bahn aus der Gegenrichtung warten, damit ich 1 Station später in Rheingönheim aussteigen kann. Warum dieses Hin und Her? Weil eben nur jede 2. oder 3. S-Bahn in Rheingönheim hält. Dieser S-Bahnanschluss ist, wenn man aufs Auto verzichten möchte, für den A … nichts Wert.

Foto von pixabay

Verkehrschaos – Extinction Rebellion von Amts wegen

Ein Tag von vielen: Gestern 17 Uhr reichte die Warteschlange auf der Mannheimer Seite vor der Altriper Fähre wieder bis auf die B36 Richtung SAP Arena. Dieses Szenario kommt seit der Brückensperrung mehrmals in der Woche vor. Mit der Folge, dass die wartenden Autos und viele LKWs auch den Kreisverkehr verstopfen, was zu gefährlichen Verkehrsmanövern führt und zu Ausfällen im eh schon minderbemittelten ÖPNV nach Altrip:

  • Aufgebrachte LKW-fahrer drängen in 2. Reihe im einspurigen Kreisverkehr an den stehenden Autos vorbei, um über die Duisburger Straße ins Rheinauer Industriegebiet zu kommen
  • Nicht wenige Autofahrer und auch LKW-fahrer, die es bis zur Einfahrt des Kreisverkehrs geschafft haben, fahren gegen die Fahrtrichtung in diesen hinein, um abkürzend in die Duisburger Straße zu gelangen
  • Die zwischen Mannheim Neckarau und Altrip pendelnde Buslinie 98 schafft es von der Altriper Straße kommend nicht auf ihre imaginäre Busspur an den wartenden Autos vorbei zu gelangen mit dem Ergebnis, dass reguläre Fahrten in Altrip ausfallen

Liebe Polizei, liebe Verkehrsplaner hüben wie drüben, lieber VRN, liebe Metropolregion mit deinen Mobilitätspaktplanern, liebe Stadtverwaltung Mannheim, liebe Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen, liebe Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreis mit deinen Verkehrsexperten, lieber Gemeinderat Altrip – ihr regt euch bestimmt auf über mutwillige Straßenblockaden von Extinction Rebellion in der ganzen Welt – ABER HIER vor unserer Tür HABT IHR die Blockade selbst organisiert. Glückwunsch! Dann vollendet bitte euer Werk und schafft mit einem attraktiven ÖPNV über die Fähre endlich eine Alternative zu langen Autoschlangen und klimaschädlicher Mobilität.
Und lasst bitte endlich die unrealistischen und ABSOLUT NICHT MEHR ZEITGEMÄSSEN Auto-Brückenfantasien in der Mottenkiste. Wir sind dieses Ablenkungsmanöver leid.

Mobilität der Zukunft vor unserer Tür sehe ich so:

  • eine richtige Busverbindung Mannheim-Neckarau – Altrip
  • Anschluss an einen Kompaktbahnhof in MA-Neckarau mit S-Bahnanschluss
  • im Sinne der Multimodalität eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke über den Rhein bei Altrip
  • einen Anschluss an den geplanten Radschnellweg Schifferstadt – LU