Altrip wieder mal erfolgreich abgehängt!

schlangeWie gestern in der Rheinpfalz zu lesen war, wurde Altrip mal wieder erfolgreich abgehängt vom attraktiven ÖPNV-Angebot der Metropolregion, in deren Herzen Altrip liegt. Dem Auto-Bürgermeister zufolge, soll es keine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in Richtung Mannheim (SAP-Arena) geben. 1/3 der Altriper Berufspendler und mehr als 50 pendelnde Schülerinnen und Schüler dürfen die nächsten Jahre weiterhin in die Auspuff-Röhre schauen und/oder sich in die Fährschlange einreihen. Und ich sage bewusst „die nächsten Jahre“, genau genommen die nächsten 10 Jahre, denn 2015/2016 wird der Nahverkehrsplan für die nächsten 10 Jahre entwickelt und alles, was in diesem nicht aufgenommen ist, wird es auch nicht geben. Punkt.

Sich zwei Jahre vor dem großen Verkehrs-GAU – dem Hochstraßen-Abriss in Ludwigshafen – hinzustellen und zu sagen, man hätte keinen Bedarf an einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, ist gelinde gesagt zynisch und sehr sehr kurzfristig gedacht. Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, der schon mal in der Fährschlange stand als gerade in LU an einer der Brücken gearbeitet wurde, weiß, was in zwei Jahren auf uns zurollt. Ein Brummmeister aber, dessen visionäre Kraft sich einzig auf das Auto zu richten scheint, kommt dann auf so haarsträubende Ideen, wie den Ludwigshafener Brückenverkehr über unseren Damm auf die Fähre leiten zu wollen. Ja vielen Dank auch.

Aber zurück zur Absage des Bürgermeisters Brumm Brumm zum geplanten Ausbau des ÖPNV nach Mannheim über die Fähre: Wer Informationsbedarf hat, dem empfehle ich den Blogartikel zum Thema „geplante Buslinie nach Mannheim“ vom November 2014. Dort habe ich zusammengefasst, was in zwei konstruktiven Sitzungen des (von den Grünen ins Leben gerufenen) Arbeitskreis Verkehr mit Unterstützung von Experten von VRN und rnv analysiert und erarbeitet wurde. Die Analysen haben ergeben, dass

  1. Laut Pendlerstatistik und Auswertung des MIV-Index durchaus ein Bedarf an einem Ausbau der Busverbindung über die Fähre nach Mannheim besteht
  2. es einen sinnvollen Zusammenschluss mit einer Mannheimer Buslinie geben könnte mit vielen Vorteilen.

Da das Altriper Dorfoberhaupt es offenbar nicht kapieren will oder kann, erkläre ich gerne zum 100. Mal, dass man einen Bedarf nicht daran messen kann, ob ein schlechtes, unzureichendes und unzuverlässiges Angebot genutzt wird oder nicht. Der Bedarf für die Einrichtung einer ÖPNV-Linie wird anhand der Pendlerstatistik und dem MIV-Index (Motorisierter Individual Verkehr) ermittelt. Und der Bedarf für einen Ausbau des ÖPNV von Altrip Richtung Mannheim ist ganz OBJEKTIV gegeben.

Im übrigen, entstünde auch kein „Parallelverkehr“, wie es im Artikel heißt, wenn man einen größeren Bus nach Mannheim einsetzen würde, denn der größere Bus würde die nicht barrierefreien Taxis ERSETZEN. Unser geschätztes Taxiunternehmen würde dennoch genug Aufträge haben, da parallel zum größeren Bus auch verschiedene Ruftaxiverkehre eingerichtet werden sollten.

Die Pläne waren alle wohlüberlegt, ausgewogen und konstruktiv, aber scheißegal, sie werden einfach ignoriert. Der Brummmeister ignoriert nicht nur die Ergebnisse des Arbeitskreis Verkehr, sondern schlimmer noch er ignoriert einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss, der ihn u.a. auffordert sich für die Pläne eines größeren Fährbusses nach Mannheim einzusetzen und über den Fortgang der Verhandlungen dem Gemeinderat zu berichten. Beides hat er m.E. nicht getan. Aber darum müssen sich die entsprechenden Gremien und vor allem der Gemeinderat kümmern.

Aber das ganze hat auch ein Gutes: ich habe was kapiert. Hier in Altrip braucht man mit Vernunft, sachlicher Analyse und Expertenrunden hinter verschlossener Tür nicht ankommen. Wir Bürger müssen lautstark sagen: WIR WOLLEN ANSCHLUSS. AN DIE ZUKUNFT.
Sonst bewegt sich nichts.

4 Gedanken zu „Altrip wieder mal erfolgreich abgehängt!

  1. Liebe Immer, Danke dafür, dass du nochmals klar gestellt hast, was jedem klar ist – außer einem –

    Was treibt denn Brummmeister bloß dazu an, das Wohl der Bürger und einstimmige, demokratische Beschlüsse so zu hintertreiben?

    Hat da jemand vielleicht ein Problem mit Bürgern, die nicht alles so einfach hinnehmen, was da behauptet wird und mit Entscheidern, die weder nach seiner Pfeife tanzen wollen noch müssen?

    Auch wenn er es nicht will, dieser Bus wird kommen, weil er kommen muss!! Er wird nicht unter der Geschäftsführung der Rheinfähre GmbH laufen, sondern vom RNV im Verkehrsverbund betrieben werden und das ist gut so!

  2. Die letzten Wochen musste ich mehrmals mit dem Bus morgens nach Mannheim zur Arbeit. Abgesehen davon, dass mich das inzwischen 4 (vier) Euro (einfache Fahrt) kostet, bin ich zwei Mal nicht in den Bus über die Fähre gekommen, weil er schon voll war…! Einmal habe ich mich auf der Fahrt zurück als letzter hineingequetscht.

    Den Altriper ÖPNV werde ich so schnell und ohne Not nicht mehr nutzen!

    • Genau, das ist der Punkt. Wer ein Mal stehen gelassen wurde versucht es nicht wieder. Und dann stellt sich der Brummmeister hin, zählt die, die einen Platz bekommen haben und sagt, mehr Bedarf ist nicht. So ärgerlich!

  3. Seit geraumer Zeit werden Fußgänger und Fahrradfahrer an der Altriper Fähre in die Schranken verwiesen. Während sich eine Schranke für die Autofahrer stets als erstes öffnet, müssen sich Fußgänger und Zweiradfahrer an der für sie geschlossenen Schranke bei schlechter Luft in Geduld üben. Sicher ist es sinnvoll, den Verkehr so zu regulieren, dass nicht alle auf einmal von der Fähre stürmen. Aber – warum nicht anders herum? Die Autofahrer warten, bis die umweltfreundlichen Verkehrsteilnehmer sicher die Fähre verlassen. Während sogar die Bundespolitik über Fahrradschnellwege für Pendler nachdenkt und auf der anderen Rheinseite ein Fahrradkongress stattfindet, verharrt man in Altrip auf der Devise „Cars first“. Radfahrer dürfen nun jedes Mal ein Feinstaub- und Abgasbad nehmen, während zu Stoßzeiten bis zu 21 Automotoren gleichzeitig laufen. Das Gute an dieser Regelung: Radfahrer und Fußgänger werden die Folgen dieser desatrösen Klima-, Umwelt und Gesundheitspolitik wegen ihrer sich nun verkürzenden Lebenserwartung nicht so lange ertragen müssen wie die bevorzugten Autofahrer.

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