10 Gedanken zu „So hat Altrip gewählt

  1. Hi Nachbarin, aus Politikinteresse und gelebter Freundschaft will ich mich hierzu nun auch mal öffentlich äußern und kopiere ein Statement von mir aus FB mal hierher:

    Zu allererst vielen Dank für dein (kommunal-)politisches Engagement, davon lebt eine demokratische Gesellschaft! 🙂 Dass ich das so denke weißt du ja bereits, aber jeder darfs und sollte es mal hören, dass man auch aufgrund teilweise unterschiedlicher Meinung eine super Nachbarschaft gestalten kann! 🙂

    Nun zum Inhaltlichen, was vlt viele nach der Wahl vom Sonntag umtreibt, wozu ich aber weniger inhaltlich Stellung nehmen möchte, sondern eher methodisch:

    ZITAT EGO BEGINS:

    Hi liebe Freunde,
    also nun mal bloß meine persönliche Meinung dazu, ob es tatsächlich klug sein kann, AfD-Wähler aus seinem Bekanntenspektrum löschen zu wollen/sollen, wie ich den Aufruf nun mehrmals vernommen habe…
    Diese Wahl war die Meinung von Menschen, mit denen wir hier zusammenleben. Was soll denn das große Ziel einer Reaktion nun auf die Wahlen vom Sonntag sein? Doch bestimmt, dass in Zukunft ein solches Wahlergebnis nicht mehr zustande kommen muss, und Frieden!, ich denke da sind wir uns bestimmt schonmal einig!
    Der größte Fehler m.M.n. wäre es zu machen, die Menschen, die sich diesmal für die AfD entschieden haben, nun aus der Gesellschaft, dem Bekanntenkreis oder dem öffentlichen Zusammenleben ausschließen oder die Menschen sogar verhöhnen oder evtl beleidigen zu wollen. Diese Ausgrenzung treibt nämlich letztendlich diese Menschen tatsächlich, dauerhaft und noch viel stärker in die Arme dieser Partei, weil durch Verachtung die extreme Position nur weiter befeuert wird! Soll das das Ziel sein oder die Konsequenz des angestrebten Verhaltens der Ausgrenzung derer mit Protestmeinung? Ich glaube doch nicht!
    Falls man Politik lediglich zum Eigenzweck institutionalisieren möchte, dann wäre das ja auch in Ordnung, kann man ja zugeben, wenn man einfach nur persönlich keine anderen Meinungen oder Ängste hören mag, wäre legitim find ich. ABER wenn man eine gute gemeinsame Zukunft für die ganze Nation, die gesamte Gesellschaft, den Nachbarn im Dorf, den Freunden, der Familie UND darüber hinaus für alle neu Hinzukommenden anstrebt, dann sollte man meine o.g. Warnung bedenken und etwas weiter vorausschauen. 😉
    Der Fehler könnte bspw erst von der Politik befeuert worden sein, dass Große Koalitionen demokratiedestruktiv mittlerweile einen gefühlten Standard geschaffen haben, dass es sowieso schon vor der Wahl feststeht, was herauskommen wird, somit die Wählerfreiheit beschnitten ist und sich viele denken, wie man für erneute Selbstbestimmung eintreten kann.
    Nix für ungut, ich will KEINEM bestimmt nicht niemals vorschreiben wollen, wie er zu leben oder zu handeln hat, gewiss nicht! 🙂 Meine Meinung aufgrund von meinem sozialwissenschaftlichen Dasein soll bloß als Denkanstoß dienen, das ganze vlt konstruktiver und lösungsorientierter anzugehen, um die gewünschten Ziele erreichen zu können, dem inneren Frieden zuliebe und um einer weiteren Spaltung der Gesellschaft vorzubeugen! 😉
    Grüßl D. 🙂
    #redenstattpfeifen

    ZITAT EGO ENDE

    Wenn angemerkt wurde von unserer Bundesmuttikaiserin „Wir schaffen das“, dann denkt erstmal jeder an die Thematik. Ich gebrauche diesen Appell nunmal, um es auf unsere innere Gesellschaftspolitik zu übertragen:
    Ich bin der Meinung, dass wir die Verhinderung einer weiteren Gesellschaftsspaltung schaffen können, wenn wir jetzt alle kühlen Kopf bewahren und versuchen, systematisch und konstruktiv und mutig die gegebenen Probleme anzugehen! 🙂

    Vielen Dank für deinen Blog und das damit verbundene offene Meinungsforum, lass bitte den Aloe nicht vertrocknen! 😉
    Liebste Grüße von nebenan 🙂

    • Hi Nachbar. Danke Dir für diesen Beitrag, auf den ich gerne ausführlichst antworten möchte! Und auch gerne im Blog. Ich komme aber erst am Sonntag dazu, da ich bis zum Hals in Arbeit stecke. Also da kommt noch was, nur nicht gleich. Bis dann.

      • Okidoki alles klaro 🙂
        Und bitte nicht falsch verstehen, ist nur ein Versuch der Situationsanalyse, um das Problemchen friedlich zu lösen, gemeinschaftlich 🙂
        Immer bei Wahlen komm ich ins Politikfieber^^

        LG von drüben und viel Erfolg @work

    • Hi Nachbar. Also inhaltlich willst du über das Wahlergebnis gar nicht reden. Ok. Es geht Dir darum zu warnen, dass man den AfD-Wähler jetzt nicht ausgrenzen oder dissen sollte, sondern seine Ängste ernst nehmen und ihn in den öffentlichen Diskurs aufnehmen sollte, damit er, der ja zu hohem Prozentsatz „nur“ Protestwähler ist, nicht dauerhaft bei der rechtspopulistischen AfD kleben bleibt. Nun ja. Die Wähler einer Partei, die mit dem Propagieren von Ausgrenzung und Abschottung viele Stimmen gewonnen hat, mit Ausgrenzung zu bestrafen hat doch eine gewisse Logik, findest du nicht? 😉 Aber klar, das spaltet nur noch tiefer und bringt uns auch nicht weiter. Aber den AfD-Wähler jetzt auf die Couch zu bitten, um seine Beweggründe herauszufinden und die Ängste zu analysieren, suggeriert eine Tiefe, die es m.E. gar nicht gibt. (Ich rede hier übrigens nur von den „Protestwählern“ und nicht von den rechtsextremen Wählern, die die Partei ja auch mit offenen Armen empfangen hat.) Die Protestwähler wollten mit der Wahl der AfD zum Ausdruck bringen, dass sie Angst vor der Flüchtlingswelle haben und die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel nicht gut heißen. D.h. viele dieser Wähler, sehr viele traditionelle Nichtwähler, wollten einen „Denkzettel“ verpassen ohne selbst weiter als von A zu B gedacht zu haben. Denn es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Probleme. Kann es denn überhaupt eine inhaltliche Auseinandersetzung geben mit Leuten, die Denkzettel verteilen? Es reicht eigtl. zu sagen: ok, euer Protest ist angekommen. Und nu? Wie lautet denn eure Lösung? Was wollt ihr jetzt? Grenzen dicht machen? Aus Europa austreten? Dazu gesellt sich auch: Die D-Mark wieder einführen. Frauen zurück an den Herd schicken. Mindestlohn abschaffen. Spitzensteuersatz abschaffen. Die Arbeitslosenversicherung abschaffen bzw. privatisieren. Die gesetzliche Unfallversicherung abschaffen. etc. Von der sozialen (schon lang passé) zur asozialen Marktwirtschaft. Ach herrjeh, jetzt bin ich doch ins Politisieren geraten, wir wollten das ganze doch soziologisch betrachten 😉 Also zurück zu den Nachbarn. Jeder fünfte Altriper hat die AfD gewählt. Ich bin ein freundlicher Mensch und ich bin Fan meiner heterogenen Nachbarschaft. Leben und leben lassen. Respektieren von anderen Lebensentwürfen und dem anderen und auch fremden zuweilen etwas abgewinnen können. Höflichkeit muss immer drin sein. Und das erwarte ich auch von meinen Nachbarn, auch „Fremden“ gegenüber.
      Ich hatte kürzlich ein interessantes Gespräch mit einer CDU-Wählerin, die auch von ihren Ängsten gegenüber Asylanten gesprochen hat. Und sie hat selbst festgestellt, dass es ihr vielleicht anders gehen würde, wenn sie im Ort besser informiert worden wäre. Wenn man ihr sagen würde, so sieht es aus: es kommen noch soundsoviele, die werden wir hier unterbringen und die werden betreut von diesen 4 Menschen, an die könnt ihr euch wenden, wenn es Fragen oder Probleme gibt. Wir treffen uns ein Mal im Monat zum Kochen. Die Neuankömmlinge zeigen ihre traditionellen Gerichte und die Alteingesessenen unsere traditionellen Gerichte. Stattdessen hört man hier was vom HL-Markt und da was vom Ostermeyer-Gebäude und alles hinter vorgehaltener Hand und über allem schwebt „Köln“…
      Und ich muss sagen, sie hat Recht! Speziell in Altrip hat man versäumt, offen mit den Bürgern zu reden und damit wurde die brodelnde Gerüchteküche befeuert und man hat es den Rechtspopulisten überlassen, zu „informieren“. Schlimmer noch, die noch schlimmeren Rechtsradikalen haben am Freitag vor der Wahl „informiert“ zum Thema. Und an dieser Stelle muss ich Dir, mein geschätzter Nachbar, widersprechen: an dieser Stelle muss man dann pfeifen, statt reden!

      • Hey Nachbarin, habe schon sehnsüchtig auf deine Meinung zu meinem Beitrag gewartet! 🙂 Danke schonmal! 😉

        Es freut mich, dass wir uns da im Groben einig sind, das ist für mich vorbildliche und beispielhafte Demokratie, trotz unterschiedlicher Detailmeinung durch Sprachkultur Kompromisse finden zu können für einen höheren Zweck! So funktioniert das Geschäft Leben! 🙂

        Inhaltlich können wir natürlich auch immer gerne analysieren, aber dann wären die Texte bestimmt NOCH länger, das müssen wir dann mal ganz gemütlich im Sommerurlaub planen!^^

        Und ja, ich gebe dir ausdrücklich Recht, ich glaube du hast das Kern-Problem eben bereits genannt, es fehlt an Information!

        Eine Information, die aufklärt und nicht aufhetzt! Kern-Angelegenheit der Politik! Absoluter Zuspruch meinerseits! 😉 Somit kämen unsere Freunde Jacob und Reiland ins Spiel der gescheiterten/verpassten Informations-Politik, da würd ich ja fast gerne mal wieder ansetzen! 😀 🙂

        Aber ja, so sollten wir diese Protestwahl vlt wirklich betrachten:

        Anstatt „So hat Altrip gewählt“ könnte man es auch alternativ ausdrücken: „Das empfindet Altrip bzgl der aktuellen Situation.“

        Dein Wort „Ausgrenzung“ der Wähler hat aber eine gefährliche Doppelbedeutung, was wir ja EIG PRINZIPIELL vermeiden sollten (Grenzschließung undso…^^).

        Aber wie gesagt, ich bin hier nicht fürs Probleme schaffen, sondern fürs Probleme lösen! Daher nochmal zwischendurch mein ausdrücklicher Wille zur klugen Kompromissfindung, ohne dieser selbsternannten Alternativ-Partei mehr Macht zuzusprechen, als sie eig hat, denn ich bin auch gegen sie! Aber das meinte ich mit Methodik, ohne zwingend inhaltlich nun jegliche Parteipolitik definieren zu wollen.. 🙂

        Hierzu ausnahmsweise zum Abschluss ein ganz kurzer allgemeiner Versuch der Analyse:

        Man muss ja ganz klar unterscheiden zwischen der Partei (welcher politisch inhaltlich-argumentativ begegnet werden muss) und den Menschen, die sie diesmal aus Protest gewählt haben, weil sie mit ihren bisher gewählten Parteien unzufrieden sind. Ich habe in vielen Gesprächen gehört, dass diese Menschen keine spezielle Angst vor Flüchtigen in Person haben, sondern vor dem eventuellen Verlust an Sicherheit dadurch im Allgemeinen, da die Gesellschaft so rasant wächst, aber notwendige Strukturmaßnahmen hinterherhinken. Vorfälle wie bspw Silvester befeuern das dann leider, da der Rechtsstaat hier böse gewankt (versagt) hat, so ganz unabhängig vom möglichen Täterkreis! Die Menschen wollen nämlich nicht nur sicher vor Flüchtlingen sein, sondern vor ALLEN, egal vor wem!

        Und eben dieser geordnete Rechtsstaat, der ja die Basis für soziale, konservative, liberale, ökologische Politik (gibt’s sonst noch was?^^) und somit der Demokratie ist, der muss zu jeder Zeit gesichert sein, damit das ganze Projekt gelingen kann.

        Und da sehe ich das Problem, diese Wahl war meiner Meinung nach ein Protest gegen die teilweise chaotischen politischen Strukturen und ein Ausdruck des Wunsches nach Sicherheit und Frieden. Ein Bekenntnis dazu, dass sich jeder einzelne an das Grundgesetz zu halten hat, damit ein sicheres Miteinander gewährleistet ist. Die Angst vor Verlust des Rechtsstaats ist ja auch nicht zwingend ein freiwilliger Entschluss, sondern eine sich aufdrängende emotionale Reaktion, menschlich, nicht unmenschlich. Nochmal: Jeder fünfte Altriper sieht das aktuell kritisch, hier ist nun auch die Gesellschaft in der Pflicht:

        ***Deshalb die Menschen zu entfreunden oder dem Gespräch auszuweichen wäre falsch und destruktiv, das war mein einziges Anliegen, dies einer breiten Öffentlichkeit deutlich zu machen.***

        Um es mal ganz plakativ mit Worten zu malen: Blau ist erstmal auch nur eine Farbe, die man in einem bunten Blumenstrauß der Demokratie erwarten und noch verkraften kann, Brauntöne hingegen wirken eher welk und abgestorben, ebenso wie eine anarchistische Anordnung der Blumen kreuz und quer unschön wirkt! 😉 Also den Protest zu akzeptieren und nicht vorab zu verurteilen oder gar zu ignorieren, solange es noch möglich ist…

        Inhaltliche Parteipolitik kann und will ich auch nun nicht vorgeben, aber jede Partei sollte sich ernsthaft für sich selbst überlegen, mit welchen Maßnahmen sie die enttäuschten Wähler wieder einsammelt, denn laut aktuellen Analysen haben alle Abwanderung zu verspüren zu der Gruppe der Kritischen. Vor allem selbstverständlich die regierenden Bundesparteien, die ja spürbar jeder gegen jeden aktuell rumeiern, sowas enttäuscht die Menschen. Und wenn man eine Gruppe von Menschen dann als Vize-Kanzler und auch noch öffentlich im Amt als „Pack!“ (Kritik und Unverständnis ok, aber eine Beleidigung?) bezeichnet, dann jagt man Teile der Bevölkerung ja pro-aktiv weg von der politischen Mitte hin zum Rand! Das erinnert ans Spätmittelalter, wo der Adel seine Bauern als „nutzlos“ und „Abschaum“ titulierte und letztendlich große Kriege ausgelöst hat (Nicht 100% zu vergleichen selbstverständlich, aber das Reiz-Reaktions-Konstrukt ist das gleiche, nur dass es heute etwas Gutes zerstören könnte).

        Und wenn man im politischen Diskurs auch die Political Correctness immer absolutistischer gestaltet und man sich in einem Dialog aus Angst vor Verurteilung jedes Wort 2mal überlegen muss, also den Bereich des möglichen zu Sagenden (des „Sagbaren“) immer enger drückt, dann macht man selbstverständlich ebenso die Ränder stark, eigentlich pur logisch!

        Aber back to basics, zwei Punkte sind nun zu vereinen: Einerseits die konsequente Integrationsarbeit und andererseits enttäuschten Wählern ein neues Sicherheitsgefühl zu geben!!!!!!!!!!!

        Jetzt mal nur eine Idee, wie man als freiwilliger Helfer das ganze vlt vereinen könnte, ohne auf die große Politik zu hoffen:

        Ein oder mehrere öffentliche Berichte (Zeitung, Internet, Amstblatt oä), die sich direkt an verunsicherte Menschen wenden, in dem eindeutig klar wird, dass Asyl-Arbeit von Freiwilligen eben nicht nur aus „Spazierengehen, Willkommens-Geklatsche und Plätzchen-Backen“ (sinngemäßes Fremdzitat) besteht, sondern vor allem knallharter Sprachunterricht und ein intensives Pauken unserer Grundgesetze und die Vermittlung von freiheitlichen Werten und Normen ist! Dass das Ganze eine ernsthafte Sache an Nachhilfeunterricht für unsere Werte ist, wobei eindeutig wird, dass Flüchtlinge hier auch ganz klar eine Pflicht zur Integration besitzen und sie dieser Pflicht auch nachkommen! Das wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Spontane Idee, mehr nicht, aber mit solch einem ungefähren Ansatzpunkt könnte man vlt das Vertrauen von den Menschen (zurück-)gewinnen, dass das ganze Projekt gemeinsam zu meistern ist.

        PS: Die anstehende Fußball-EM könnte auch ein großer Gewinn sein, wenn Bürger und Geflüchtete gemeinsam unter der Bundesflagge des Friedens, der Einigkeit, des Rechts und der Freiheit den Sport feiern! 🙂

        PPS: „Pfeifen“ will ich in dem Bezug -was ja aus meinen Comments hoffentlich ersichtlich wird- auch ausdrücklich als „darauf pfeifen“ gewusst wissen, also auf die Menschen zu pfeifen und sie bei der Partei zu belassen, sondern sinnvollererweise um sie zu kämpfen, sie zu (re-)demokratisieren, sie in das Kollektiv einzubeziehen, sie aufzuklären, sie wertzuschätzen, ihnen diesmal zu verzeihen, sie wieder zu mögen, ihnen zu helfen zu verstehen, sie zu bilden, mit ihnen gemeinsam für eine friedliche Zukunft zu kämpfen! 🙂 Hierzu zitiere ich immer gern die Person-Situations-Kontroverse, dass man oftmals vorschnell geneigt ist, eher Personen Schuld zuzuweisen, als der eigentlichen (notgedrungenen/schuldigen) Situation. Trifft schon wieder beiderseitig zu 🙂

        Also alles in allem, ich glaube immernoch ans Gute im Mensch!

        Peace-D.! 😉

  2. Auch mich treibt das Wahlergebnis (so wie viele andere auch) sehr um und ich mache mir viele Gedanken, warum es dazu kam. Gerade weil ich wissen möchte, was Menschen -Bekannte, Nachbarn, Freunde (?)- dazu trieb, dieser Partei ihre Stimme zu geben, werde ich weder AfD wählende FB Freunde bitten, sich zu entfreunden, noch Kontakte zu Nachbarn usw deshalb abbrechen. Genau deshalb sprechen mich obige Zeilen von D. an. Wir müssen reden,- ja! Wobei die so oft beschimpften Gutmenschen da auch zeitlich vor einem Problem stehen. Sie engagieren sich für andere Menschen, die Hilfe brauchen und das kostet Zeit. Oft viel Zeit. Gespräche und Diskussionen mit sich sorgenden Bürgern kostet auch viel Zeit. Und dann erlebt man dabei plötzlich zwei Realitäten: Menschen, die vor dem Krieg geflohen sind und quasi von Null hier anfangen und Menschen, denen es von außen betrachtet (sehr) gut geht. Sie sind integriert, haben Familienanschluss und einen Freundeskreis, haben eine Arbeit und eine schöne Wohnung, oft sogar ein Haus. Sie haben meist mindestens ein Auto und leisten sich Handy, Fernseher, Restaurantbesuche und ab und zu einen Urlaub. Kontakt zu einem Flüchtling haben sie meist noch nicht gehabt. Doch sie sehen Tag für Tag die Bilder im Fernsehen. Und sie haben Angst. Wovor? ….Und nun versucht man miteinander zu reden, versucht die Ängste zu verstehen. Doch diese Gespräche kosten auch viel Zeit und manchmal empfindet man sie als total irrational, weil man ja selbst Flüchtlinge kennen gelernt hat und dadurch weiß, dass diese Ängste nicht nötig sind. Deshalb mein Vorschlag an die, die Ängste haben: Sprecht doch uns vom Netzwerk Asyl an. Und im schönsten Fall unterstützt Ihr uns vielleicht mal ein klein wenig bei unserer Arbeit: Dann haben wir auch mehr Zeit zum Miteinander reden und gleichzeitig könnten durch Kontakte zu Flüchtlingen vielleicht auch einige Ängste abgebaut werden.
    Ich zitiere noch einmal D. :“Ich bin der Meinung, dass wir die Verhinderung einer weiteren Gesellschaftsspaltung schaffen können, wenn wir jetzt alle kühlen Kopf bewahren und versuchen, systematisch und konstruktiv und mutig die gegebenen Probleme anzugehen!“ ….Das kann ich sofort unterschreiben und ich hoffe, dass auch viele, die AfD (vielleicht auch aus Protest?) gewählt haben, bereit sind, nun auch konstruktiv die Probleme anzugehen. Denn genau das vermisse ich bei dieser Partei: Zu meckern, Ängste zu schüren und Menschen gegeneinander auszuspielen, bringt uns nicht vorwärts, sondern spaltet uns. Dazu müssen wir anpacken. Und zwar möglichst viele. Das verstehe ich unter einer konstruktiven Herangehensweise.
    Ein Nachtrag zu „redenstattpfeifen“: Manchmal ist aus meiner Sicht auch das (Aus)pfeifen nötig und berechtigt. Dieser friedliche Widerstand bezieht sich auf die Veranstalter einer rechtsradikalen Demo und ist eine Statement, dass Hass in Altrip nicht willkommen ist. Pfeifen ersetzt aber nicht reden. Und dazu bin gern bereit, wenn grundsätzliche humanistische Werte beachtet und nicht in Frage gestellt und die Regeln einer achtsamen Gesprächsführung eingehalten werden.

    • Hi B., es freut mich wirklich sehr, dass rüberkam, was ich ausdrücken wollte! 🙂
      Und es ist auch ausdrücklich überparteilich gemeint! I. ist eben aber halt meine erste Ansprechpartnerin ihrer Partei, aber die anderen haben das auch schon zu hören bekommen. Betrifft uns ja schließlich alle! 😉
      Ich habe das bewusst hier auf einer „öffentlichen“ Plattform geschrieben, dass es auch mehrere mitbekommen, diesen Fehler nun nicht zu begehen, also das Blockieren und Spalten. Aber nun sind Bürger, Orgas und Parteien gemeinsam gefragt, die Menschen wieder einzusammeln. Ja, es kostet tatsächlich noch mehr Zeit, aber die sollten wir uns nehmen, weils uns letztendlich auch wieder alle betrifft, sollte die Gesellschaft auseinanderbrechen. Krisen sind zum Meistern da! Und leider leider könnte sich aus der aktuellen Krise auch eine gesellschaftliche Krise entwickeln, das müssen wir gemeinsam im Keim ersticken, für ein friedliches Miteinander.
      Peace! D. 🙂

  3. ANGST ist ein schlechter Ratgeber und doch haben die Ereignisse von Fukushima 2011 die Wahl stark beeinflusst. Die gleichen Wähler haben nun 2016 Angst vor Windkrafträdern, der hohen Stromrechnung und vor allen Dingen vor Flüchtlingen. Dabei begegnet man der Angst am besten, indem man ihr ins Auge schaut, sie analysiert und Lösungen findet.
    Bei Begegnungen mit Flüchtlingen wird man dann feststellen, dass diese noch viel mehr Angst haben. Sie sind traumatisiert, mussten alles aufgeben und hoffen nach 5 fürchterlichen Kriegsjahren auf Sicherheit und eine Lebensperspektive in einer ihnen zum Teil völlig fremden Welt. Was würden wir tun, wenn wir Syrer wären?
    Als ich letzthin mit einem syrischen Flüchtling spazieren gegangen bin und sich zufällig ein Hubschrauber näherte, hat dieser instinktiv Schutz hinter einem Busch gesucht – erst da begriff ich, was Angst sein muss.
    Wir können nicht umhin, uns mit der Flüchtlingskrise auseinander zu setzen und konstruktive Lösungen zu suchen und die können nicht Abgrenzungen, Obergrenzen, Grenzschließungen und Schießbefehle sein.
    Wir müssen erkennen, dass in unserer globalisierten Welt unser Verhalten auch Mitauslöser für Flüchtlingskrisen ist: Klimaflüchtlinge durch unser aller unökologisches Alltags- und Urlaubsverhalten; Wirtschaftsflüchtlinge aus unmenschlichen Textilfabriken in Bangladesch durch unser Konsumverhalten und Kriegsflüchtlinge auch durch unsere andauernden Waffenexporte in die ganze Welt und vorzugsweise in Krisengebiete: kurz gesagt uns geht es auch so gut, weil es anderen schlecht geht und nun haben wir Angst, dass es uns auch ein bisschen schlechter gehen könnte!
    Das frappierende am Wahlergebnis vom letzten Sonntag ist, dass viele eine angebliche Alternative für Deutschland gewählt haben, die Ängste bedient und sogar schürt aber keine konstruktiven und langfristigen Lösungen für die Krise anbietet und sich vor allen Dingen nicht der Fluchtursachen annimmt. Durch Grenzschließungen werden wir unserer Wirtschaft schaden und unser freiheitliches Europa gefährden, Obergrenzen höhlen das individuelle Grundrecht auf Asyl aus und durch Abgrenzungen werden wir Integration verhindern. Es wird zu Ghettobildungen kommen und welchen Bumerangeffekt das haben kann, können wir ganz gut in Frankreich beobachten. Es ist alternativlos für Deutschland, dass wir uns alle um Integration bemühen, dass wir hinschauen, die Flüchtlinge kennen lernen, uns ihrer annehmen, sie an der Hand nehmen, ihnen unser System erklären, sie fördern – aber auch fordern.
    Wenn dann der Bürgerkrieg endlich vorbei ist, werden viele wieder in ihre Heimat zurückkehren, um sie aufzubauen und haben dann hoffentlich einige unserer Werte kennenlernen dürfen, für die wir auch jahrhundertelang gekämpft haben wie z.B. „Freiheit, Gleichheit sowie „Brüder- und Schwesterlichkeit“ aber auch Toleranz, Offenheit und Nächstenliebe, wenn wir nicht zu ängstlich sind, sie ihnen entgegen zu bringen.

    • Hi Osterhase, guten Morgen zusammen,
      ein sehr schöner Beitrag von Dir, ja so sehe ich es auch. 🙂 Die Welt ist ein großes dynamisches System.
      Jetzt müssen wir zusehen, wie das alles umzusetzen ist, der Transfer also dieser klugen Ansichten.
      Wie gesagt, ich bezog meinen Text auf das Wahlergebnis und speziell das Altriper Wahlergebnis, weil man hier als Normalo am ehesten ansetzen kann. Dass die große Politik nun geeignete Strukturen zur Umsetzung schaffen muss, steht ja außer Frage, dafür ist sie ja da.
      Doch meine Kernaussage war ja, dass man nun nicht den Fehler machen darf, dies alleine (Kopf durch die Wand) zu versuchen umzusetzen, sondern ALLE mit einzubeziehen und eben nicht die „Besorgten“ auszuschließen aus dem Leben (Aufruf zur Entfreundung). Wie B. ja oben ganz richtig schrieb, muss man die genauen Motive der Menschen herausfinden, weshalb es aktuell noch hakt, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
      Ich habe leider noch nicht die genaue Lösung dafür gefunden, aber ich bin optimistisch, dies noch herauszufinden, dass so ein besorgtes Wahlergebnis sich nicht wiederholt, doch zeigt es aktuell ganz deutlich auf, dass es eben noch viel Verbesserungspotential im gemeinsamen Problemlöseprozess gibt.
      Und zum Thema Angst gebe ich Dir auch ausdrücklich völlig Recht, das beste Mittel gegen Angst ist die Konfrontation mit den angstauslösenden Stimuli. Doch ist es auch unumgänglich, Ängst ernst zu nehmen und würdig damit umzugehen, also Ängste zu akzeptieren und die Menschen mit Angst dennoch wertzuschätzen. Daran ist anzusetzen, nichts hilft besser, als gelungene Beispiele mit Vorbildcharakter, und das ist schönerweise ja allgemeingültig und nicht nur bezogen auf die aktuellen Probleme! 🙂

  4. Als Osterhase mag ich keine ungelegten Eier und deshalb frage ich konkret in die Runde – und noch konkreter jeden fünften Altriper.
    Warum habt Ihr so gewählt? – und was versprecht Ihr Euch von Eurer Wahl?

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