Heiligt der Zweck die Mittel?

Mich beschäftigt, warum sich die Diskussion über den Standort für das Ärztehaus so sehr zugespitzt hat auf „Ärzte oder Käfer“. Die Parteien hören einander gar nicht zu. Dass ein solcher Zeitdruck besteht – wie auch immer dieser entstanden ist – macht die Auseinandersetzung nicht freundlicher.
Ich glaube, dass es den Gemeinderäten wirklich darum geht, die ärztliche Versorgung zu sichern. Das ist das oberste Ziel. Und das ist im übrigen ein gemeinsames Ziel, denn das ist auch der Dorfinitiative wichtig.

An dieser Stelle ist man sich noch einig.

Getrennt ist man bei dem Weg dahin. Wie erreicht man dieses Ziel, welche Mittel wählt man oder nimmt man in Kauf, um das Ziel zu erreichen?
Gewählt wurden von der Verwaltung und dem Rat
1. keine Beteiligung der Öffentlichkeit im Vorfeld
2. ein beschleunigtes Bauverfahren ohne Umweltverträglichkeitsprüfung

Das sind frühzeitige Weichenstellungen, den Weg betreffend, die die Dorfentwicklungsinitiative kritisiert.

Warum sehen die Initiativler nicht das hehre Ziel und die Dringlichkeit?

Sie sehen es und entscheiden sich trotzdem dafür, den gewählten Weg zu hinterfragen. Sie haben zwar dasselbe Ziel, möchten aber, dass an bestimmten Stationen auf dem Weg dahin Halt gemacht wird und ein paar Aufgaben gelöst werden.
Ja, das kostet Zeit. Diese Zeit hätte man gehabt, da die aktuelle Planung bereits 2015 vorlag. Da man aber an den Stationen vorbeirannte (oder auch gemächlich schlenderte ohne anzuhalten), musste und muss man nun in ein paar Belangen noch mal ein paar Schritte zurück, um geforderte Aufgaben zu lösen, die man sich sparen wollte.
Das sind
1. Bürgerbeteiligung (die hat man nun in Form von Protest, die Bürger hätte man 2015 in einem geordneten offenen Verfahren einbinden können)
2. Bebauungsplan (die Kreisverwaltung forderte einen solchen, ursprünglich wollte man sogar ohne bauen)
3. Artenschutz (die Kreisverwaltung hat ein Artenschutzgutachten gefordert, auch an dieser Station wollte man eigtl. gar nicht anhalten)

Dass die Initiative (die Landespflege im übrigen auch) das im Dezember erstellte Artenschutzgutachten unzureichend fand, ist erst mal kein Verbrechen. Das ist ein ganz normaler Vorgang, der in der Regel nicht den Untergang des Abendlandes zur Folge hat. Wenn sich daraus Zeitverzögerungen ergeben, sind es solche, die man hätte vermeiden können, wenn man sich frühzeitig dem Artenschutz gestellt hätte. Dieser ist nun mal im Bundesnaturschutzgesetz geregelt und somit geltendes und einklagbares Recht.

Bis heute Abend 19 Uhr wäre eigentlich noch alles offen. Man könnte sich sogar noch, ohne bereits Tatsachen geschaffen zu haben, zurückbesinnen auf den ursprünglich favorisierten Standort HL-Markt. Denn dieser hat einen neuen Besitzer und der Standort (sonst hätte die Verwaltung den Standort ja nicht ursprünglich favorisiert) hätte gegenüber dem Standort Alter Friedhof eine Menge Vorteile.

Könnte. Hätte. Fahrradkette…

Stellen die Eichen die Weichen?

Morgen entscheidet der Gemeinderat über den Bebauungsplan des sog. Ärztehauses auf dem Alten Friedhof. Die Dorfentwicklungsinitiative hat ein Gutachten inbezug auf das Habitatpotential der beiden Eichen und ihrem Umfeld in Auftrag gegeben. Dieses Gutachten ist im Gegensatz zu dem von der Verwaltung beauftragten Gutachten öffentlich. Bitteschön. Auch in einem Dorf gilt das Bundesnaturschutzgesetz. Damit hätte man sich ja in den letzten zwei Jahren schon mal befassen können.