Stammtischparolen von Amts wegen

willko

Blumenstrauß, den Flüchtlinge bei uns überreicht bekommen ©jm

Im Amtsblatt vom 20.11. steht ein Aufruf zum ehrenamtlichen Engagement für Flüchtlinge. Wirklich? Nein es ist viel mehr eine Aufforderung, Flüchtlingen erst mal gründlich zu misstrauen, Ihre Not nicht vorbehaltlos zu glauben, sie zuvorderst über „ordnungsgemäßes Verhalten“ aufzuklären und sie einzuteilen in jene, die „nur aus wirtschaftlichen Gründen“ kommen und solche, die „aus purer Verzweiflung“ kommen.

Ich glaube, es hackt!

Stammtischparolen von Amts wegen!  Dass man sich beim Versuch, Ehrenamtliche zu finden nicht zu schade ist, bestehende Ressentiments zu bedienen und Vorurteile geradezu zu schüren, ist irgendwie schizophren. Wer bitteschön möchte sich denn nach diesem Aufruf noch engagieren?? Wer die armen Leute willkommen heißen?

Zum Glück gibt es bereits ein Netzwerk an Helfern. Und die Verwaltung sollte mal in einen Integrationskurs gesteckt werden.

 

 

Die Erleuchtung ausführlich / ÖPNV nach Monnem

schlangeEhrlicher Informierbedarf
In der Rheinpfalz war Ende Oktober ein Artikel zu lesen über Pläne, den ÖPNV von Altrip Richtung Mannheim über die Fähre auszubauen. Der Artikel hat viele Fragen aufgeworfen und da ich mich mit dem Thema ausgiebig beschäftigt habe, hier ein paar Hintergründe dazu.

Der Plan des ÖPNV-Ausbaus über die Fähre nach Mannheim
Was in dem Artikel angerissen wurde betrifft den Ausbau der Verbindung über die Fähre und den entsprechenden (einstimmig beschlossenen !) Antrag im Gemeinderat dazu.

Experten von RNV (Rhein-Neckar-Verkehr AG) und VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar) haben mit dem Grünen Arbeitskreis Verkehr den Plan auf den Weg gebracht, die bestehende Linie 98 mit der bestehenden Linie 62 in Mannheim zusammenzuführen mit S-Bahnanschluss SAP-Arena und (in Planung) Mannheim Neckarau. Die Linie 98/62 würde von Altrip über Neckarau, SAP-Arena, Neuostheim, Luisenpark, Kurpfalzbrücke bis an die Neckarspitze fahren!

Als Fahrzeug käme ein fährtauglicher, behindertengerechter Kleinbus in Frage mit ca. 25 Plätzen (davon 8 Sitzplätze).

Der Zusammenschluss mit einer Buslinie in Mannheim bringt viele Vorteile mit sich:

  1. die Kosten werden auf mehrere Schultern verteilt
  2. Altrip wird Teil des gut ausgebauten ÖPNV-Netzes der Metropolregion und die Auslastung durch die Verlängerung der Linie sicher gestellt
  3. Direkter Anschluss an die S-Bahn SAP-Arena
  4. Barrierefreie Beförderung, d.h. man kann auch mit Kinderwagen, Rollator oder Roller einsteigen, was beim Taxibus nicht möglich ist. Barrierefreiheit ist überhaupt ein wichtiges Thema, da ab 2022 vom Gesetzgeber eine vollständige Barrierefreiheit für den ÖPNV vorgeschrieben wird.

In der Planungsidee stehen zwei Fahrvarianten zur Debatte.

  1. Die erste führt kurz durch Neckarau (Führung über Neckarau-Hallenbad – Friedrichstraße, Wiederanbindung von Teilstrecken der Linie 44 in Neckarau, Fahrtzeit Altrip – Neckarau Friedrichstraße um ca. 5 min länger: das wäre also kein großer Zeitverlust bringt aber die 50 Altriper Bachgymnasiasten und Waldorfschüler näher an ihre Schulen),
  2. die andere führt über das Gewerbegebiet Floßwörth in Neckarau.

Beide Varianten sehen wie gesagt den Anschluss an die SAP-Arena und Weiterfahrt wie beschrieben über Neuostheim, Kurpfalzbrücke etc. bis an die Neckarspitze vor.

Desweiteren soll in einem 2. Schritt die Einrichtung eines Ruftaxiverkehrs in Richtung Mannheim in den Abendstunden und am Wochenende geplant werden. Das führt zu einer Frage, die uns Altriper natürlich auch bewegt. Was wird aus dem hiesigen Taxi-Dienstleister, wenn der größere Bus fährt? Dieses Thema wurde in den Arbeitskreistreffen bereits angesprochen. Durch den Ausbau der verschiedenen Ruftaxiverkehre (auch nach LU) könnten sich neue Arbeitsfelder ergeben, desweiteren bestünde auch die Möglichkeit als Dienstleister die größere Buslinie 98 anzubieten.

So sieht’s aus liebe Leute.

Aktuell und im nächsten Jahr werden die Nahverkehrspläne des Rhein-Pfalz-Kreises fortgeschrieben (der aktuelle Nahverkehrsplan ist aus dem Jahr 2006). Das bedeutet: alles, was es nicht in diesen Nahverkehrsplan schafft, liegt wahrscheinlich brach für viele viele Jahre.

Ich möchte im folgenden noch ein paar Rahmenbedingungen aufzeigen:

Zunächst ein paar Zahlen: In Altrip leben 7.568 Menschen und 5.742 Kraftfahrzeuge. (Stand 31.12.2013)
2.600 Leute pendeln von Altrip in andere Orte zur Arbeit, 356 pendeln nach Altrip zur Arbeit. Ca. 550 Schüler treten jeden Morgen den Schulweg an weiterführende Schulen außerhalb Altrips an. D.h. rund 3.500 Leute sind an Werktagen unterwegs, um zur Arbeit oder in die Schule zu kommen. (Zahlen 30.6.2012, Bundesagentur für Arbeit)

Von den 2.600 Auspendlern arbeiten 876 in LU, 849 in Mannheim, der Rest verteilt sich ( z.B. 108 in Speyer, 54 in Heidelberg etc.).
Das heißt 1/3 der Pendler muss nach LU, 1/3 nach Mannheim und der Rest in alle Himmelsrichtungen.

ÖPNV in Altrip Status Quo

Für diese 3.500 potentiellen Nutzer des ÖPNV steht folgendes Angebot bereit:

– Nach Mannheim über die Fähre eine nicht-barrierefrei Kleinbuslinie mit 8 Plätzen (im Winter um 7 und 7.30 Uhr 16 Plätze). Taktzeiten stündlich, zwischen 6 und 8 Uhr halbstündlich.
-Nach Ludwigshafen ein großer Bus (manchmal zwei) bis zur Endstelle Rheingönheim. Taktzeiten stündlich, zur Stoßzeiten halbstündlich.
– Für Altriper gibt es nach wie vor keinen direkten S-Bahnanschluss. Der war geplant für Dezember 2014 und ist jetzt leider um ½ Jahr auf Juni 2015 verschoben worden. Aber immerhin…

äh tja. Noch Fragen?