Verkehrschaos – Extinction Rebellion von Amts wegen

Ein Tag von vielen: Gestern 17 Uhr reichte die Warteschlange auf der Mannheimer Seite vor der Altriper Fähre wieder bis auf die B36 Richtung SAP Arena. Dieses Szenario kommt seit der Brückensperrung mehrmals in der Woche vor. Mit der Folge, dass die wartenden Autos und viele LKWs auch den Kreisverkehr verstopfen, was zu gefährlichen Verkehrsmanövern führt und zu Ausfällen im eh schon minderbemittelten ÖPNV nach Altrip:

  • Aufgebrachte LKW-fahrer drängen in 2. Reihe im einspurigen Kreisverkehr an den stehenden Autos vorbei, um über die Duisburger Straße ins Rheinauer Industriegebiet zu kommen
  • Nicht wenige Autofahrer und auch LKW-fahrer, die es bis zur Einfahrt des Kreisverkehrs geschafft haben, fahren gegen die Fahrtrichtung in diesen hinein, um abkürzend in die Duisburger Straße zu gelangen
  • Die zwischen Mannheim Neckarau und Altrip pendelnde Buslinie 98 schafft es von der Altriper Straße kommend nicht auf ihre imaginäre Busspur an den wartenden Autos vorbei zu gelangen mit dem Ergebnis, dass reguläre Fahrten in Altrip ausfallen

Liebe Polizei, liebe Verkehrsplaner hüben wie drüben, lieber VRN, liebe Metropolregion mit deinen Mobilitätspaktplanern, liebe Stadtverwaltung Mannheim, liebe Verbandsgemeindeverwaltung Rheinauen, liebe Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreis mit deinen Verkehrsexperten, lieber Gemeinderat Altrip – ihr regt euch bestimmt auf über mutwillige Straßenblockaden von Extinction Rebellion in der ganzen Welt – ABER HIER vor unserer Tür HABT IHR die Blockade selbst organisiert. Glückwunsch! Dann vollendet bitte euer Werk und schafft mit einem attraktiven ÖPNV über die Fähre endlich eine Alternative zu langen Autoschlangen und klimaschädlicher Mobilität.
Und lasst bitte endlich die unrealistischen und ABSOLUT NICHT MEHR ZEITGEMÄSSEN Auto-Brückenfantasien in der Mottenkiste. Wir sind dieses Ablenkungsmanöver leid.

Mobilität der Zukunft vor unserer Tür sehe ich so:

  • eine richtige Busverbindung Mannheim-Neckarau – Altrip
  • Anschluss an einen Kompaktbahnhof in MA-Neckarau mit S-Bahnanschluss
  • im Sinne der Multimodalität eine Fahrrad- und Fußgängerbrücke über den Rhein bei Altrip
  • einen Anschluss an den geplanten Radschnellweg Schifferstadt – LU

„Ein hochgradig attraktives Angebot“

In der Rheinpfalz vom 17.9.19 kamen „Experten der Kreisverwaltung“ zu Wort, die im Zusammenhang mit dem neuen Nahverkehrsplan bestehende aber auch neue Verkehrsverbindungen untersucht haben. Es ging u.a. auch um die Busverbindung von Altrip über die Fähre nach Mannheim. Schließlich pendelt 1/3 der Altriper Berufstätigen nach Mannheim und rechnet man noch die nicht berufsbedingten Fahrten wie Arztbesuche, Freizeitangebote etc. hinzu fahren sogar mehr Menschen nach Mannheim als nach Ludwigshafen. Diesen inzwischen vielleicht umsteige-interessierten Grenzgängern (Brückensperrung in LU, drohender Verkehrskollaps im Nadelöhr über den Rhein, wenn die Hochstraße abgerissen wird) bietet man seit Jahren folgendes „hochgradig attraktives“ * ÖPNV-Angebot:

  • Ein nicht barrierefreier VW-Bus mit 8 Plätzen (Linie 98)
  • Zwischen 7 und 8 Uhr morgens fährt dieser zwar im 10-Minuten-Takt, aber an der Fähre müssen die Fahrgäste unnötigerweise aussteigen, die Rampe hier runter und und drüben wieder hoch laufen, um in den 2. VW-Bus zu steigen. Das kostet Zeit, ist bei Wind und Wetter hochgradig attraktiv und für kleine wie große ÖPNV-Nutzer durchaus sportlich.
  • Von 10 bis 13 Uhr fährt das hochgradig attraktive Angebot gar nicht, den Rest der Zeit bis 19 Uhr stündlich. Samstag und Sonntag ist hochgradig tote Hose.

Nun noch ein paar sachliche Richtigstellungen zu den Aussagen in der Zeitung:
1. Man hat im Altriper Gemeinderat nicht „immer wieder darüber diskutiert“, sondern es wurde 2015 ein einstimmiger Beschluss gefasst, dass man einen größeren Linien-Bus über die Fähre haben möchte.
2. Der größere Bus, von dem in diesem Beschluss (und im übrigen auch IN ALLEN GESPRÄCHEN MIT DEN VERKEHRSEXPERTEN) die Rede war, ist mitnichten ein großer Linienbus à la 570er sondern einer wie bspw. die Linie 62 in Mannheim. (siehe Fotos)
3. Dieser größere Bus kann genauso am Fährstau vorbeifahren wie der jetzige VW-Bus, denn er ist in erster Linie höher (barrierefrei!) und länger aber nicht wesentlich breiter. Ein solcher Bus hat 26 Plätze (8 Sitz- und der Rest Stehplätze).
4. Der Bus muss nicht an der Fähre wenden, denn er soll die Fahrgäste ja nicht wie aktuell unterwegs rausschmeißen sondern durchfahren bis Neckarau Friedrichstraße und von dort wieder retour.
5. Ein größerer Bus würde Barrierefreiheit bringen. (Ab 2022 fordert der Gesetzgeber völlige Barrierefreiheit des ÖPNV)
6. Ein größerer Bus würde den Leuten eine Alternative zum Auto bringen, denn auch der größere Bus müsste nicht im Fährstau stehen. Und wenn er durchgängig ohne Taktlücken, bis 22.30 Uhr wie die Fähre und in der Rush-Hour im 10-Minuten-Takt fahren würde, dann wär das echt ein hochgradig attraktives Angebot für uns Altriper.

*Zitat, kein Witz.

Wahl-Nachlese Altrip

Ich habe mir die Liste mit den neuen Altriper Gemeinderätinnen und Gemeinderäten angeschaut. Sie besteht zu fast 90% aus Männern.
SPD: 6 Sitze, davon 1 Frau
CDU: 5 Sitze, davon 0 Frauen
Grüne: 5 Sitze, davon 2 Frauen
FWG: 7 Sitze, davon 0 Frauen
DVU: 1 Sitz, keine Frau, die wieder den Arm heben darf

In Altrip leben 50,6% Frauen und 49,4% Männer. Die 50,6% sind also mit 12,5% im Rat vertreten. Sehr verehrte Wählerinnen. Vielleicht könnten wir das nächste Mal einfach mal nur Frauen wählen? Mich würde interessieren, ob das den Rat revolutionieren würde.
By the way: Ich finde es schon ein bisschen deprimierend, dass bei allen außer den Grünen die immer selben Gesichter sitzen. Das ist eine ganz besondere Form der Nach-Haltigkeit 🙁

Artenvielfalt in Altrip

Bild von MBu auf Pixabay (ich hatte leider keine Kamera zur Hand)

Im letzten Jahr habe ich das erste Mal ein Taubenschwänzchen im Garten entdeckt. Zuerst hielt ich es für einen Kolibri. Im Volksmund heißt der Nachtfalter, der gerne tagsüber unterwegs ist, auch „Kolibrischmetterling“. Im Garten schwirrte er sehr akkurat von Dolde zu Dolde des Sommerflieders, piekste den fast 3 cm langen Rüssel in die Blüten und war sehr geschäftig. Der Falter kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und überwintert immer häufiger in Deutschland.
Info dazu beim NaBu


Leserbrief an die Rheinpfalz

Leserbrief zum Artikel „Da platzt plötzlich der Kragen“ von Markus Müller, vom Freitag 5.4.2019
Ganz ehrlich liebe Redaktion, mir platzt auch der Kragen, wenn ich einen solchen Artikel und Kasten lesen muss. Müllers tendenziöse, immer zu 100% bürgermeistergetreue Berichterstattung über Altriper Zustände lassen Zweifel an seiner Unabhängigkeit aufkommen. Ich frage mich ernsthaft, was er von Onkel Jacob eigtl. bekommt für seine Hofberichterstattung. Mit unabhängigem Journalismus hat das jedenfalls nichts zu tun

Fragen, die sich der Autor mal inbezug auf das Gemeinwohl stellen könnte wären: 

1. Wieso wird ein gemeindeeigenes Grundstück ohne Ausschreibung an einen Unternehmer für einen sehr günstigen Preis verkauft? Das hat ein Geschmäckle, denn wenn schon ein Teil des öffentlichen Parkgeländes privatisiert wird, hätte man doch wenigstens für das Gemeinwohl durch eine Ausschreibung an den Höchstbietenden verkaufen können.

2. Wieso hat man im Bebauungsplan denn NICHT festgelegt, dass es sich bei dem geplanten Gebäude um ein Ärztehaus handelt? Im Sinne des Gemeinwohls hätte man damit die ärztliche Versorgung im Ort sicherstellen können. Wollte man offenbar aber gar nicht. So haben die Gemeindevertreter vor Gericht sogar zugegeben, dass ja noch nicht klar sei, welche Nutzungen im Erdgeschoss des Gebäudes realisiert würden. Äh hallo? Gemeinwohl? Schließlich hat man die mehr als 130 Einwände mit der Aussage vom Tisch gewischt, ein Ärztehaus rechtfertige, dass man den Einwand ignoriert. Und am Ende werden es vielleicht nur eine Apotheke und Privatwohnungen?

3. Wegen der fehlerhaften Abwägung und erheblichen Planungsdefiziten wurde der Bebauungsplan vom OVG einkassiert. Man hat zudem das falsche Verfahren gewählt und muss nun noch mal mit dem richtigen Verfahren von vorne anfangen, womit sich das Bauvorhaben zum Schaden aller verzögert. (Und Herr Müller glauben SIe mir, egal, was Sandmännchen ihnen in der Gutenachtgeschichte erzählt, das dauert mit Sicherheit länger als 8 Monate!!) Im Sinne des Gemeinwohls dürfen wir Steuerzahler ja wohl erwarten, dass bei einem so wichtigen Bauvorhaben nicht so stümperhaft geplant wird und dass die Planung nicht gegen geltendes Recht verstößt!

Im Artikel wird der Bock zum Gärtner gemacht und die, die den Mist verzapft haben, kommen ungeschoren davon und dürfen andere, die den Mist aufgedeckt haben, an den Pranger stellen.
Verkehrte Welt? 
Ne, das ist die Müllerwelt.

OVG-Urteil jetzt öffentlich

Jetzt kann sich jeder selbst ein Bild machen und ist nicht auf Märchenerzählungen aus der Rheinpfalz angewiesen: Link zum OVG-Urteil
Ich habe es studiert und bleibe daran hängen: „Im Übrigen haben die Vertreter der Antragsgegnerin [=die Gemeindeverwaltung] in der mündlichen Verhandlung eingeräumt, dass bislang noch unklar sei, welche Nutzungen im Erdgeschoss des Gebäudes realisiert würden. Dies weist auf eine Diskrepanz zwischen der Erwägung, das Parkgelände gerade wegen der Bedeutung eines überwiegend von Ärzten genutzten Hauses zu überplanen, und der Offenheit der vertraglichen Bindungen.“ (Abs. 46) Das ist doch sehr irritierend und passt dazu, dass man im Bebauungsplan eben nicht festgelegt hat, dass das Grundstück für die ärztliche Versorgung bebaut wird, man hat das offen gelassen. Frag ich mich, wer hier eigtl. wirklich die „Gsundheit de Menschheit“ gefährdet…


OVG RLP sagt: Bebauungsplan Ärztehaus unwirksam

Zitat aus der Presseerklärung des Oberverwaltungsgerichts: „Das Oberverwaltungsgericht erklärte den Bebauungsplan [Ärztehaus] für unwirksam, weil er gegen höherrangiges Recht verstoße. Dabei spreche bereits einiges dafür, dass die Gemeinde nicht berechtigt gewesen sei, die Planung im beschleunigten Verfahren ohne Umweltprüfung und Erstellung eines Umweltberichts vorzunehmen…“
Manchmal liegt man also mit dem gesunden Menschenverstand nicht ganz daneben. Den Bäumen nützt es leider nichts mehr, weil man ja (vor)eilig Tatsachen geschaffen hat. Ganz ehrlich, die Planerei im beschleunigten Verfahren ist einfach grundverkehrt und bei uns in Altrip leider Usus (aktuell wieder bei den geplanten Doppelhaushälften am Damm). Das muss endlich ein Ende haben. Das Urteil möge den Verantwortlichen den richtigen Weg weisen.

https://ovg.justiz.rlp.de/de/startseite/detail/news/detail/News/veraenderungssperre-und-bebauungsplan-der-gemeinde-altrip-unwirksam/